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© Andreas Düfel 2006

 

Sanitätsfeldwebel Rudolf Bäcker
 

* 21. Februar 1914 in Erndtebrück

von Edgar Dietrich 
Ortsheimatpfleger zu Erndtebrück

Treue für das Vaterland
galt als ihre Pflicht
hatten Sie auch keinen Dank
vergißt man Ihrer nicht.

Vergilben auch die Namen
im hast´gen Lauf der Welt
die großen Taten mahnen
daß man zu Ihnen hält.

Die Zeit wird weiterrücken
der letzte von Euch gehen
mög Eure Gräber schmücken
die Worte die hier stehen.
Die Nachwelt denkt in Ehre
ob Eurer großen Tat
und Euer Ruhm uns Lehre
die Pflichten vom Soldat.

Und wird in fernen Jahren
von Euch die Rede sein
wird mancher noch erfahren
von Eurem tapferen sein.

Wir wollen uns verneigen
im stillen Dankgebet
und stets vor Gott bezeugen
daß Ehre nie vergeht ! 


Sanitätsfeldwebel Rudolf Bäcker
Erster Ritterkreuzträger als Sanitätsfeldwebel der Wehrmacht

Rudolf Bäcker wurde am 21. Februar 1914 als Sohn der Eheleute Heizer Adolf Bäcker und Elisabeth, geborene Hesse in Erndtebrück geboren und am 29. März 1914 getauft. Am Sonntag, Palmarum, den 1. April 1928 wurde er in der evangelischen Kirche zu Erndtebrück durch Pfarrer Ernst Sahner konfirmiert. Sein Konfirmationsspruch (Psalm 111, Vers 10) lautete: "Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang Klug sind alle, die danach tun. Sein Lob bleibet ewiglich."

Nach der Schulentlassung trat er eine Malerlehre beim Malermeister Wilhelm Birkelbach in Erndtebrück an. Mit den ersten Wehrpflichtigen des Ortes rückte er zum 1. Oktober 1936 zur Ableistung der allgemeinen Wehrpflicht in das hessische Infanterie-Regiment 36 in Friedberg ein. Seine aktive Dienstpflicht beendete er in der 6. Kompanie als Gefreiter der Reserve am 30. September 1938. Während dieser Zeit erwarb er die Schützenschnur für gute Schießleistung und wurde für vorbildliche Pflichterfüllung auf dem Gebiet der militärischen Schießausbildung mit einer Plakette ausgezeichnet. Tradtionsgemäß traten die gedienten Reservisten in den Erndtebrücker Kriegerverein ein.

Zur Mobilmachung erhielt er den Stellungsbefehl zum 27. August 1939. In den Reihen der 3. Kompanie des Siegener Infanterie-Regimentes 57 nahm er am Krieg gegen Frankreich teil. Mit Wirkung vom 1. November 1940 wurde er zum Obergefreiten befördert. Mit dem Infanterie-Regiment 36 nahm er von Beginn an den Kämpfen in Rußland teil. Am 23. August 1943 wurde ihm für bewiesene Tapferkeit vor dem Feind das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen und am 1. Dezember 1941 erfolgte die Beförderung zum Sanitätsunteroffizier. Zwei Monate später erfolgte die Verleihung des Eisernen Kreuzes I. Klasse. Über Brody, Kanew, Poltawa, Krasnograd, Isjum, Artemowsk und Nowotscherkassk gelangte die 9. Infanterie-Division zum Kuban-Brückenkopf bei Krymskaja. 

Dort erfolgten auch die Verleihungen des Deutschen Kreuzes in Gold und die Auszeichnung mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Aus dem Sanitäts-Unteroffizier-Korps erhielten drei Unteroffiziere (Manfred Jordan, Willi Pieper und Franz Schmitz) und zwei Feldwebel (Rudolf Bäcker und Karl Nowotnik) das Ritterkreuz. Bis auf Schmitz und Bäcker sind alle Ritterkreuzträger der Sanitätsunteroffiziere an der Front gefallen.

Die Kämpfe auf dem Kuban-Brückenkopf

Noworossisk, ist nicht nur der Name eines Schwarzmeerhafens, der durch den Untergang des sowjetischen Passagierschiffes "Admiral Nachimow" im September vor einigen Jahren plötzlich im Interesse der Weltöffentlichkeit und in die Schlagzeilen der Zeitungen geriet. Ausflugsschiffe fahren von dort über das Schwarze Meer hinunter nach Tuapse Suchumi und Sotschi mit fröhlichen Menschen an Bord. Doch verbinden sich mit den Namen Noworossisk auch viele schmerzliche Erinnerungen und leidvolle Erfahrungen für die ehemaligen Soldaten der heimischen 9. Infanteriedivision mit den Infanterieregimentern 36 (Gießen), 57 (Siegen) und dem Artillerieregiment 9 (Siegen) aus der Zeit eines unheilvollen, schrecklichen Krieges.

Viele Wittgensteiner und Siegerländer Soldaten haben dieses herrliche Fleckchen Erde am Rande Asiens, wo früh am Morgen zwischen drei und vier Uhr schon die Sonne aufgeht und die Berggipfel des Kaukasus bescheint, kennen- und liebengelernt. Die 9. Infanterie-Division war in den heißen Sommertagen des Jahres 1942 mit Roß und Wagen vom Mius über den unteren Don bei Rostow durch die Steppe hinunter in das fruchtbare Kubangebiet gezogen, hatte sich bei Krasnodar den Kubanübergang erkämpft und über Krymskaja den Kaukasus erreicht. Am Abend des 6. September 1942 eroberte das erste Bataillon des Infanterie-Regiments 186 im Handstreich den Hafen von Noworossisk, den wichtigen Kriegshafen der Schwarzmeerflotte an der Ostküste des Schwarzen Meeres.
Von den Stellungen auf den Höhenrings um den Hafen und die Meeresbucht bot sich in der Herbstsonne des Jahres 1942 ein herrlicher Blick über die Stadt, das Hafenbecken, die Meeresbucht, über die fruchtbaren Weingärten im Süden bis weit hinaus auf das Schwarze Meer und ins russische Hinterland hinunter nach Gelenschik.

2.000 Kilometer von der Heimat entfernt haben dort die deutschen Soldaten ein ganzes Jahr lang die Stellungen am südlichen Eckpfeiler des Kubanbrückenkopfes gehalten. Dort haben sie das Weihnachtsfest noch hoffnungsvoll gefeiert, den Winter 1942/43, als die einzige Verbindung zur Halbinsel Krim, die Meerenge von Kertsch zugefroren war, glücklich überstanden, den heißen Sommer 1943 mit den schweren Kämpfen und Angriffen durchgehalten und auch dort ihre Toten begraben. Viele Gräber begleiteten den Weg der Division. Tausende deutscher Soldaten sind dort unter rings um die Hafenstadt Noworossisk und in den Seitentälern begraben. Vier große Soldatenfriedhöfe der Division bergen die Gefallenen. 

In Krimskaja, südlich des Kuban, wurden sie in einer kleinen Parkanlage, dem "Thälmann-Park" würdig begraben. Auf einem Denkmalsockel stand der Spruch "Getreu bis in den Tod". Der Friedhof mußte im Laufe des Jahres 1943 immer wieder vergrößert werden. In Werchne-Bakanskaja, wo die zweite Sanitätskompanie ihren Hauptverbandplatz hatte, wurden allein innerhalb eines Jahres von September 1942 bis September 1943 über 1.000 Soldaten, die an ihren Verwundungen gestorben waren, zur letzten Ruhe gebettet. Dort ruht auch der Oberfeldwebel Willi Christmann aus Erndtebrück (1./IR 57). 

In Gaiduk, dem Hauptverbandplatz der ersten Sanitätskompanie befand sich ebenfalls ein Friedhof, wohl mit den gleichen Ausmaßen. Viele gute Kameraden sind dort zurückgeblieben. Sie liegen in langen Reihen oder auch in kleinen Gruppen beieinander, wohl heute noch betrauert von ihren Angehörigen in den Dörfern Westfalens und des Hessenlandes. Und doch steht über ihren Gräbern längst kein Kreuz mehr. Beim Zurückgehen der Deutschen in der Nacht vom 14. auf 15. September 1943 wurden die Gräber auf den Friedhöfen auf dem Kuban eingeebnet, die Kreuze auf Haufen geworfen und verbrannt, um die tatsächlichen Verlustzahlen dem Gegner zu verschleiern. Die brennenden Kreuze erhellten die erste Rückzugsnacht am Kubanbrückenkopf und kündigten das Ende deutscher Überheblichkeit an. Schmerz und Trauer überkam wohl alle Soldaten, die an den verlassenen Friedhöfen vorbeizogen. Wie viele gute Kameraden der gemeinsam überstandenen Kämpfe mußten dort in einem Land zurückgelassen werden, das im Frieden so schön und so liebenswert sein mußte. Wohl kaum einer der vorbeiziehenden Angehörigen der Division dachte jedoch daran, daß er im Oktober 1943 an der Bahnlinie südlich Melitopol oder im April 1944 in der Nähe von Odessa oder im August 1944 im Kessel von Kischinew unter ähnlichen Umständen in einem schnell geschaufelten Grab oder auch unbeerdigt zurückbleiben würde.

Nicht nur um die deutschen Soldaten, auch um die gefallenen russischen Soldaten haben Frauen, Bräute, Mütter und Kinder geweint und getrauert. Auch sie haben ihre Heimat, ihr "Mütterchen Rußland" tapfer verteidigt. Diese Tatsache allein müßte eigentlich genügen, auch zwischen dem deutschen und russischen Volk einen dauerhaften Frieden zu gewährleisten.

Der Monat November, der Monat des Totengedenkens, sollte für die Überlebenden ein besonderer Anlaß sein, in Gedanken auch einmal an diese vergessenen Gräber in und um Noworossisk, Krasnodar und Krimskaya zurückzukehren! Mögen all die deutschen und russischen Gefallenen dort in Frieden ruhen!

Während eines Erholungsurlaubes heiratete Rudolf Bäcker am 18. Juli 1943 Helene Becker aus Oberndorf. Nach den Strapazen des Frontalltages wurde er am 19. November 1943 zur Sanitäts- Ersatz- und Ausbildungsabteilung 3 in Guben versetzt, um junge Sanitätssoldaten auszubilden. Nach einem Arbeitsurlaub zur Landwirtschaftshilfe im elterlichen Betrieb vom 8. Juli bis 21. Juli 1944 wurde er bei der Waffenausbildung mit der Panzerfaust durch eine explodierende Granate schwer verwundet und nur durch eine schwierige Notoperation im Reservelazarett 102 in Guben gerettet. Den Krieg beendete er in der 2. Kompanie des Grenadier-Regiment 57.

Ein Kriegsberichter der Propagandakompanie 666 berichtete über den Einsatz des ersten Ritterkreuzträgers aus den Sanitätsdienstgraden der Wehrmacht in folgendem Artikel:

"Wenn alle anderen Deckung suchen können gegen die Wucht des feindlichen Feuers, dann muß der Sanitäter immer noch rücksichtslos gegen seine Person und ungeachtet aller Gefahren dort hinspringen, wo seine Hilfe gefordert wird. Für ihn gibt es keine Deckung, für ihn gibt es nur den Einsatz für die verwundeten Kameraden."
Diese Worte eines Stabsarztes kennzeichnen kurz und inhaltsschwer die Aufgaben jener Soldaten, die als erste Helfer in vorderster Linie bei der Infanterie liegen. Was sie in ihrer letzten Tragweite bedeuten, vermag wohl nur der zu ermessen, der weiß, was es heißt, sich im Hagel der Granaten und Geschosse zu bewegen und der darüber hinaus ermißt, was es unter solchen Umständen erfordert, dabei eine Arbeit zu leisten, die jeweils über Leben und Tod eines Menschen entscheiden kann. Nie kann schnell genug Hilfe herbeieilen, und nie reichen die Hände eines Sanitätssoldaten in Stunden solcher Kämpfe aus. Tapferkeit und Todesverachtung, größtes Verantwortungsbewußtsein und unerschütterliche Nerven müssen sich so bei diesen Soldaten des Sanitätsdienstgrades paaren.

Damit aber nicht genug - es gibt auch vielfach Situationen, in denen der Sanitäter sich zum Schutze seiner Verwundeten als unmittelbarer Kämpfer bewähren und mit dazu beitragen muß, daß das von der ärztlichen Seite gerettete Leben nicht zuletzt doch noch durch Feindeinwirkung verlorengeht.

Wenn wir so von den namenlosen Infanteristen als den Inbegriff des oft heroischen Kämpfers sprechen, so dürfen wir an seiner Seite nicht den Sanitäter vergessen, der mit ihm alles Dasein teilt, der mit ihm im Angriff und in der Abwehr in einer Linie steht, und der immer bereit sein muß, sein Leben für das andere zu opfern.

Mit Sanitätsfeldwebel Rudolf Bäcker, dem in diesen Tagen als erstem Sanitätsdienstgrad der Deutschen Wehrmacht das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen wurde, ist ein Soldat ausgezeichnet worden, in dem sich alle diese Forderungen in höchster Form erfüllen. Schon vom ersten Tag des Ostfeldzuges an gab Rudolf Bäcker Zeugnis von der hohen Pflichtauffassung seiner Aufgabe ab, und so forderte das Verantwortungsbewußtsein bis zum heutigen Tag den größten Einsatz von ihm selbst. Seine Taten in den Schlachten des Ostens, die er in den Reihen eines hessischen Grenadierbataillons vollbracht hat, sind getragen von dem Willen aufopfernden Helfens für alle, die seiner Fürsorge bedurften; sie sind aber auch gebracht worden aus innerer Überzeugung von der Notwendigkeit letzten kämpferischen Einsatzes.

Aufgrund seines unermüdlichen Einsatzes wurde er im Osten mit dem EK l und II ausgezeichnet. Wegen Tapferkeit vor dem Feind zum Feldwebel befördert, mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet sowie mit der Rumänischen Tapferkeitsauszeichnung l. Klasse in Gold. Für die Versorgung und Verteidigung verwundeter Kameraden im Nahkampfraum wurde ihm die Silberne Nahkampfspange verliehen, die er bisher als einziger in seinem Regiment trägt.

Im Gegenstoß als Kampfwagenführer

Die Krönung seiner Taten, für die Bäcker am 18. September 1943 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes erhielt, vollbrachte er während der 4. Großschlacht am Kuban, wobei diesmal in erster Linie der Gedanke an die Rettung seiner Kameraden das Gesetz seines Handelns diktierte. Nach tagelangen schweren Abwehrkämpfen setzten die Bolschewisten erneut mit Panzer und Flammenwerfer in den Nachtstunden ihre Angriffe fort. Schon waren sie über den Bataillongefechtsstand vorgedrungen, um nun seitlich umfassend, durch die infolge Kräftemangel nicht mehr zu schließende Lücke, in den Rücken des Bataillons zu gelangen. bei der Versorgung schwerverwundeter Kameraden wurde Bäcker von den Bolschewisten abgedrückt und überrannt. Ein deutscher Panzer, der zur Unterstützung der Infanterie heranrollte, wurde von B. aufgegriffen und über die Lage aufgeklärt.

Indessen waren jedoch die Soldaten des Bataillons bereits abgedrängt. Der Führer des Kampfwagens hatte daher - nachdem die infanteristische Deckung fehlte - bedenken, allein weiter vorzustoßen. Sofort erklärte sich Bäcker bereit, den Panzer so an den Feind heranzubringen, daß der Erfolg mit großer Wahrscheinlichkeit gewährleistet sein mußte.

Er selbst setzte sich mit einer Maschinenpistole und Handgranaten bewaffnet auf den Kampfwagen, um gegen die Nahangriffe der Bolschewisten zu sichern. Durch das unübersichtliche Gelände lenkte er den Panzer geschickt in den Rücken der Gegner.

Nicht umsonst hatte er fast die ganze Nacht im Gelände zugebracht und sich jede Einzelheit genau eingeprägt. Schon war das Motorengeräusch mehrerer Feindpanzer zu hören, während gleichzeitig Russen auf den Panzer zustürmten. So lag es jetzt an ihm allein, die Feinde abzuwehren. Ein heftiges Feuergefecht entwickelte sich, bis es endlich doch gelang, den Feind aufzuhalten, demzufolge zwei weitere feindliche Panzer abdrehten. Ein anderer Panzer stellte sich jedoch dem deutschen Gegenstoß und suchte, ihm einen entsprechenden Empfang zu bereiten. Er war allerdings von kurzer Dauer. Schon nach dem zweiten Schuß von deutscher Seite ging der sowjetische Stahlkoloß in Flammen auf, während die begleitende und bisher noch verbliebene Infanterie das Weite suchte.

Verfolgung war daraufhin der leitende Gedanke. So lenkte er den Kampfwagen den flüchtenden Sowjets in die Flanke, wodurch jeder noch vorhandene Widerstand gebrochen wurde. Damit war schließlich der Weg freigekämpft, um den verwundeten Kameraden so schnell wie möglich eine ärztliche Versorgung zu geben.

Die so angerichtete Verwirrung wurde unmittelbar anschließend durch das Bataillon zu einem Gegenstoß genutzt, der zu einer völligen Bereinigung der Einbruchstelle und zur Wiederherstellung der alten Hauptkampflinie (HKL) führte. Wiederum hatte er durch eine Tat aus eigenem Entschluß in außergewöhnlicher Tapferkeit dem Bataillon erhebliche Verluste erspart und drüber hinaus von dem gesamten Abschnitt eine schwere Bedrohung abgewendet.

Das ist in groben Zügen der Weg eines deutschen Sanitätsdienstgrades durch den Osten. Es ist ein Weg eines bewußten und überzeugten Kämpfers, der seine Aufgabe nicht darin erfüllt sieht, die bereits Verwundeten zu versorgen, sondern der in der Einsicht, daß Vorbeugen besser als späteres Heilen ist, auch bereit ist, durch unmittelbaren persönlichen Einsatz Gefahren für das Leben seiner Kameraden abzuwenden, wenn es die Lage erfordert.

Kriegsberichter Klaus Danzer

In einem Artikel in der Siegener Zeitung vom 26. September 1943 wurde die Tat des Sanitätsfeldwebels wie folgt gewürdigt:

Nahkampf gegen feindliche Panzer
Die Tat des Feldwebels Bäcker aus Erndtebrück

In allen Abschnitten der Ostfront sind es fast täglich die Leistungen einzelner deutscher Männer, die die Truppe zu großen und oft entscheidenden Taten mitreißen. Durch Unerschrockenheit und seine beispielhafte Tapferkeit hatte sich zum Beispiel der 29 jährige Feldwebel Bäcker aus Erndtebrück in Westfalen bereits das Deutsche Kreuz in Gold und die Silberne Nahkampfspange erworben. Bei einem der letzten bolschewistischen Großangriffe am Kubanbrückenkopf gelang dem Feind im Abschnitt des Bataillons, dem der Feldwebel angehört, ein örtlicher Einbruch. Aus eigenem Entschluß blieb Bäcker geschickt getarnt, in der Einbruchstelle zurück, um die Entwicklung des Kampfes aus nächster Nähe zu beobachten und im gegebenen Augenblick eingreifen zu können.

Als ein zum Gegenstoß anrollender deutscher Panzer in seine Nähe kam, überredete er den Kommandanten des Panzers, mit ihm in die Flanke des eingebrochenen Feindes zu stoßen. Unverhofft trafen sie dabei auf mehrere feindliche Kampfwagen, während gleichzeitig zahlreiche Bolschewisten von hinten den deutschen Panzer anzugreifen versuchten. Unglücklicherweise klemmte die Kanone des Panzers. so daß der Feldwebel zunächst allein mit seiner Maschinenpistole die Sowjets in Schach halten mußte.

Nur knapp verfehlte der erste Schuß eines feindlichen Panzers sein Ziel. In diesem Augenblick war aber auch die eigene Kanone wieder schußbereit und vernichtete den sowjetischen Kampfwagen, der bereits auf 12 Meter herangekommen war, durch einen Volltreffer. Dieser Erfolg genügte, um die übrigen Panzer zum Abdrehen zu veranlassen und die sowjetischen Schützen in die Flucht zu jagen. Dank der genauen Geländekenntnisse des Feldwebels konnte der deutsche Kampfwagen nun die Bolschewisten, die sich eingeschlossen glaubten und in hellen Scharen zurückströmten, weiter vorne in die Flanke fassen. Dem Bataillon des Feldwebels, das sich inzwischen gesammelt hatte, gelang es daraufhin, ohne Schwierigkeiten und ohne Verluste die alte Kampflinie wieder zu besetzen.


Daten zu Ritterkreuzträger Sanitätsfeldwebel Rudolf Bäcker

geboren am: 21.02.1914 zu Erndtebrück, Kreis Wittgenstein
Dienstverhältnis: aktiv

Auszeichnungen: Eisernes Kreuz II. Klasse am 23.08.1941
Verwundetenabzeichen Schwarz am 25.11.1941
Eisernes Kreuz I. Klasse am 27.01.1942
Verwundetenabzeichen Silber am 09.09.1942
Infanteriesturmabzeichen am 03.02.1943
Rumänische Tapferkeits-Medaille l. Klasse in Gold am 12.02.1943
Deutsches Kreuz in Gold am 18.06.1943
Nahkampfspange in Silber am 03.08.1943
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes am 18.09.1943

Verheiratet seit 18. Juli 1943 mit Helene Becker aus Oberndorf

Quellennachweis:
Die Träger des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes 1939-1945
Die Inhaber der höchsten Auszeichnungen des Zweiten Weltkrieges aller Wehrmachtteile
Podzun-Pallas-Verlag, Bad Nauheim, 1986

Die Ritterkreuzträger der Deutschen Wehrmacht 1939-1945
Teil III: Infanterie A - Be, Biblio-Verlag, Osnabrück, 1987

Die Träger des Deutschen Kreuzes in Gold
Podzun-Pallas-Verlag, Bad Nauheim

Nationalzeitung - Amtliches Kreisblatt für den Kreis Wittgenstein
Ausgabe 25. November 1943
Ausgabe 29. November 1943

Siegener Zeitung vom 26.09.1943

Persönliche Mitteilungen von Rudolf Bäcker